Arbeit: Des einen Freud - des anderen Leid?
Wir alle haben mit dem Thema `Arbeit´ unser ganzes Leben lang zu tun – wenn wir Kinder sind, erleben wir unsere Eltern, vielleicht auch die Großeltern, wie sie von der Arbeit erzählen und nicht zuletzt waren die Erzieher und Lehrer ja auch `auf der Arbeit´, wenn Sie uns tagtäglich in der Schule begleitet haben.
Später erlernen wir dann einen Beruf oder beginnen ein Studium. Dabei nehmen wir auch aktiv am Arbeitsleben teil. Als Auszubildende sind wir anzulernende Arbeitskräfte und als Studenten erlernt man die Fähigkeiten, die es im späteren Beruf umzusetzen gilt. Nebenbei jobben noch viele Studenten, arbeiten also auch. Studieren und Lernen ist ohnehin Arbeit.
Der Begriff `Arbeit´ kommt von dem indoeuropäischen „orbho“, welches das Waisenkind bezeichnete, das sich zu harter körperlicher Arbeit verdingen musste. In den slawischen Sprachen gab es die Wörter "robu", "rob" und "robot", das bedeutete Knecht, Sklave.
Der Vergleich zwischen dem Stammwort `orbho´ und den Ausführungen von Karl Marx macht deutlich, mit welch´ unterschiedlichen Definitionen der Menschen den Begriff `Arbeit´ definiert. Vereinfacht gesagt: Ich kann sowohl planerisch an das Thema herangehen, meine Vorstellung vom Verlauf und Abschluss der Arbeitstätigkeit durchdenken, oder ich kann mich ohn – mächtig einem Arbeitsprozess als Sklave ausgesetzt fühlen, unterworfen und ausgeliefert.
Welche gewaltige Spannbreite zwischen diesen beiden Erklärungen liegt!
Fühle ich mich so mit meiner Arbeit verbunden, dass ich mich ihr gestalterisch nähere? Habe ich das Gefühl, eine Aufgabe zu haben?
Oder bleibt mir nur die Arbeit als Mittel zum Zweck, meine Miete und Ausgaben begleichen zu können?
Arbeitnehmer erleben u. a. steigenden Druck als einen der Gründe für einen Burnout. Dieser ist heute einer der häufigsten Ursachen für Krankschreibungen und Arbeitsunfähigkeit. Vor kurzem las ich eine Begriffsdefinition: `Burnout = Infarkt der Seele´, eine treffendere Beschreibung kann es kaum geben. 2010 war fast jeder zehnte Fehltag auf Burnout zurückzuführen, dies ergab eine Analyse der Krankmeldungen von mehr als zehn Millionen berufstätigen AOK-Versicherten. Menschen werden krank aufgrund von Überlastung und Anforderungen, denen sie nicht gerecht werden können.
Wie erreicht man, dass die Arbeit nicht als Belastung sondern als Herausforderung und Bereicherung des Lebens empfunden wird?
Wer in einem Arbeitsprozess steht, der wenig Raum für Kreativität und Mitsprache bietet, wird darin nicht seine Berufung sehen. Wie kann der Einzelne sich dennoch Möglichkeiten schaffen, Arbeit als positive Herausforderung und Bereicherung des eigenen Lebens zu sehen?
1. Aufgaben und Anforderungen – stimmen sie überein?
Die Arbeitsplatzbeschreibung dient zur Dokumentation um einen konkreten Arbeitsplatz und die damit verbundene Tätigkeit zu beschreiben und zu bewerten. Stimmt Ihre Arbeitsplatzbeschreibung mit den tatsächlich von Ihnen tagtäglich ausgeführten Tätigkeiten am Arbeitsplatz überein? Wenn dies nicht der Fall ist, sollten Sie das Gespräch mit Ihrem/ Ihrer zuständigen Vorgestzte/r, Abteilungsleiter/in, etc. suchen. Werden Sie dort mit ihrem Wunsch nach einem klärenden Gespräch abgewiesen, können Sie dem Betriebsrat oder Vertrauensmann ihr Anliegen vortragen. An die Einhaltung der Vereinbarung über ihre Pflichten und Aufgaben an ihrem Arbeitsplatz ist auch ihr Arbeitgeber gebunden.
2. Arbeitszeit
Nach § 3 Satz 2 ArbZG ist eine Ausdehnung auf werktäglich 10 Stunden jederzeit zulässig. Voraussetzung ist aber, dass innerhalb eines sog. Ausgleichszeitraumes von sechs Monaten oder 24 Wochen ein Durchschnitt von acht Stunden werktäglich erreicht wird. Das Arbeitszeitgesetz findet keine Anwendung bei Leitenden Angestellten, Chefärzten und Dienststellen- und Personalleitern im öffentlichen Dienst, § 18 ArbZG. Eine Ausnahme wird auch bei solchen Arbeitnehmern gemacht, die (wie eine angestellte Erzieherin) mit den Ihnen anvertrauten Personen in häuslicher Gemeinschaft leben. Soviel zu den gesetzlichen Vorschriften. Wenn die von Ihnen abverlangte Arbeitszeit, die über der im Arbeitsvertrag vereinbarten liegt, für Sie nicht akzeptabel ist, dann widersprechen Sie dieser. Auch hier gibt es die unter Punkt 1 genannten Ansprechpartner (Vorgesetze, Betriebsrat, etc.)
3. Arbeitsorganisation und Vereinbarungen
Sind die betrieblichen Strukturen klar und verbindlich definiert oder wechseln Zuständigkeiten und Entscheidungsbefugnisse ohne Ankündigung oder Nachfrage? Fühlt sich zum Beispiel ein Kollege/eine Kollegin oder ein/e Vorgesetze/r ohne Absprache nicht mehr für eine Aufgabe zuständig, dann ist diese Aufgabe sozusagen `verwaist´ und `Irgendjemand´ wird sich ihrer schon annehmen. Diese Situation baut auch Druck für alle am Projekt oder der Aufgabe Beteiligten auf – müssen Sie sich der Hausforderung stellen und etwas übernehmen, das nicht in Ihren Zuständigkeitsbereich fällt?
Werden getroffene Vereinbarungen von Ihren Vorgesetzten und Kollegen Ihnen gegenüber eingehalten? Können Sie sich auf die Absprachen, die getroffen wurden, verlassen? Was, wenn dies nicht der Fall ist? Sagen Sie offen, dass es Absprachen gibt, die Zuständigkeiten regeln und diese für alle Beteiligten binden sind. Ein entschlossenes Auftreten Ihrerseits wird den Diskussionsprozess über Verlässlichkeit in Gang bringen. Eine Diskussion, die sich für alle Beteiligten lohnt.
Sollten alle Möglichkeiten zur Veränderung von Missständen an Ihrem Arbeitsplatz nicht umsetzbar sein, planen Sie langfristig einen Jobwechsel oder vielleicht sogar eine Selbständigkeit ein. Welche Qualifikationen müssen Sie dafür erlangen? Nebenberuflich ein Studium oder Lehrgänge beginnen ist eine Chance, dem einengenden Arbeitsumfeld zu entkommen.
Christine Hartmann
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